Wie ich ein Badminton-Event angehe

von Günther Sänger

  1. Die Woche davor
    1. Liegt am Wochenende ein Spiel an, besucht man im Training die für den Sportwart ach so wichtige Mannschaftssitzung. Man äußere sich negativ über den Sinn dieser Veranstaltung und mokiere sich über Eingriffe in das Mannschaftsgefüge. Der Mannschaftsführer wird über bevorstehende Krankheiten und Verletzungen informiert, aber man verschweige ihm bis zu 2), dass man am Spieltag ein Kelly-Family-Konzert besucht. Im Training fällt man durch unmotiviertes Spielen auf, die Gemütsverfassung dieser Woche wird durch ständiges Gähnen verkündet.
    2. Vor Ranglisten/Meisterschaften klärt man ab, welchem Spielpartner das Wochenende versaut wird oder lässt sich von vielen willigen Spielpartnern heiß umwerben, nur um am Ende doch abzusagen!

  2. Der Tag davor
    1. Jetzt ist der beste Zeitpunkt dem Mannschaftsführer wegen des Kelly-Family-Konzerts abzusagen. Nun darf dieser sein ganzes Können aufbieten, um noch Ersatz zu finden, wozu ist er schließlich gewählt?
    2. Partytime! Der Alkoholkonsum und die Heimgehzeit sollten so koordiniert werden, dass zum Spielbeginn tags darauf der Promillepegel sich etwa bei 0,8 befindet (steigert den Spaß am Spiel, zumindest beim Gegner, der sich über viele "unforced errors" freuen kann).
    3. Die Sache mit dem Sex ! Die Herren sollten es bleiben lassen ("Bumsen machen Beine schwach"), die Damen sollten ihn ausgiebig haben (macht locker-flockig). Eventuelle Paare stehen da vor einem Problem, dass geradezu nach einer mechanischen Lösung schreit.

  3. Der Spieltag
    1. Die Sporttasche packen (bei 2 b sollte man das schon am Vortag tun). Wichtig sind Sportschuhe (jaja), Schläger und eine Hose. Auf ein Trikot oder Shirt kann im Notfall verzichtet werden, ein Auftritt mit freiem Oberkörper verstößt nicht gegen die Spielordnung. Gerade bei den Damen kann eine solche Maßnahme zur sprunghaften Vervielfachung des Zuschauerinteresses führen. Ebenso sollten Utensilien fürs gemeinschaftliche Duschen eingepackt werden (Wasserpistole, Sekt und schlaue Sprüche) und der gut gefüllte Geldbeutel (für 3 g). Auch kleine Leckerlies für die Mannschaftskollegen dürften noch Platz in der Tasche finden.
    2. Spätestens jetzt sollte man sich Gewißheit darüber verschaffen, ob überhaupt ein Spiel stattfindet und ob es zu Hause oder auswärts ist. Liegt ein Fremdversäumnis vor, darf der Schuldige mit Katzenscheiße beworfen werden, hat man selber gepennt gilt der Ausdruck "höhere Gewalt" als schicklich.
    3. Unpünktliches Ankommen am Treffpunkt zeugt von einem starken Selbstbewußtsein und verleiht eine eigene Note. Man gilt nicht als "gewöhnlich" und ist sich ständiger Aufmerksamkeit der Mitspieler sicher.
    4. Das Aufwärmen und Einspielen gilt als letzter Test des Alkoholspiegels. Eine Info an den Mannschaftsführer über die eigene erbärmliche Verfassung trägt hervorragend zur Beruhigung des Klimas im Team bei.
    5. Im Spiel: Die eigenen Bälle sind grundsätzlich NIE im Aus. Clears des Gegners werden am Aufprallpunkt geschickt vom Körper verdeckt und Aus gegeben. Eigene Netzroller werden mit feistem Grinsen und einem höflichen (aber nicht so gemeinten) "sorry" kommentiert. In den Doppeln trägt grundsätzlich der Partner Schuld am Punktverlust. Bei Auswärtsspielen sollte immer auf die unhaltbaren Zustände in der Halle hingewiesen werden.
    6. Verletzungen oder Unwohlsein während eines Spieles gelten als "Feigheit vor dem Feind". Ein Messer im Rücken ist noch lange kein Grund nach Hause zu gehen...!!!
    7. Bei Verlust eines Spieles ziehe man sich schämend in eine Ecke zurück und suche nach passenden Ausreden. Der Geldbetrag für die Getränkekasse der Mannschaft ist unverzüglich zu entrichten.

  4. Nach dem Spiel
    1. Jetzt wird es wichtig: Das Ganze ist NUR EIN SPIEL. Gegner beschimpfen hat nur zur Folge, dass man im Rückspiel kein Getränk ausgegeben bekommt. Auch Doppelpartner sollten jetzt wieder fähig sein, den Dolch aus dem Rücken des Mitspielers herauszuziehen, ohne ihn um 360° zu verdrehen...
    2. Man vergreife sich an den mitgeführten Getränken (meist Schaumwein oder Bier) und gleiche den durch Schwitzen gesunkenen Alkoholpegel aus. (Anti-Alkoholiker spielen in der falschen Mannschaft!)
    3. Sofortiges Verschwinden nach dem Spiel gilt als sehr Unfein und wird mit Verachtung gestraft. Nach exzessivem Duschen (bei Auswärtsspielen das Klagen nicht vergessen) sollte ein gemeinschaftliches Essen gehen, Massenbesäufnis oder ähnliches Event nicht ausgeschlossen werden. Schließlich muss man in einer Woche mit den gleichen Idioten den ganzen Mist wieder mitmachen...